Wir vier sind auf Europareise. Im Wohnwagen. Den wir uns, genau wie das Auto dazu, erst für diese Reise gekauft haben, also ohne Campingerfahrung. Mittlerweile sind wir in Portugal, vorher haben wir uns lange in Spanien aufgehalten. Hier berichte ich davon, wie unsere Reise begann.

Der Start war etwas holprig. Am Abreisetag (ja, natürlich auf den letzten Drücker) stellten wir fest, dass Homie 180 Kilo zu viel auf der Waage hat. Puh! Also abspecken. So luden wir schweren Herzens unser Fahrräder wieder ab und wuchteten zwei Matratzen wieder heraus und eine leichtere hinein. Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass uns damit eine Schlafgelegenheit fehlt, aber in der Sitzecke lässt es sich auch auf den Sitzbänken gut schlafen. Nun haben die Kinder nicht nur die größten Betten (naja, der Kleinste hat das größte Bett) sondern auch die besten Matratzen. All dieses Hin und Her war aber doch zu aufregend und wir entschieden uns, einen Tag später zu starten, was allerdings letztlich unseren eigentlichen Plänen entsprach. Auf dem Campingplatz unserer ersten Übernachtung wurden wir dafür sogar belohnt. Die erste Station war unsere Heimatstadt Braunschweig. Nur 2 km von unserer letzten Wohnung entfernt schlummerten wir zum ersten Mal in unserem Wohnwagen. Und auf dem Campingplatz fand ein Festival statt. Zwar nicht zu unseren Ehren, doch fühlte es sich großartig an, die erste Nacht im Camper inmitten künstlerischer Deko, angenehmer Musik und nachtruhefreundlicher Studenten zu verbringen. Wären wir einen Tag eher gestartet, hätten wir das Festival verpasst.

Auch die zweite Nacht verbrachten wir noch in Deutschland. Allerdings nicht auf einem Campingplatz, sondern bei Richards Schwester vor der Haustür. Direkt an der (viel mehr als erwartet befahrenen) Straße zu schlafen, und das auch noch bei über 30 Grad war aber kein Vergnügen. Außerdem kam noch dazu, dass Benji die Hitze plus die lange Autofahrt und das eher ungesunde Essen während der Reise nicht besonders gut bekam und er sich alles noch mal gründlich durch den Kopf gehen ließ, kaum dass er eingeschlafen war. Sein Kopfkissen blieb daraufhin gleich in der Mülltonne, glücklicherweise war nicht viel mehr von dieser Aktion in Mitleidenschaft gezogen, so dass wir einigermaßen pünktlich am nächsten Vormittag nach Frankreich starten konnten.

Im Elsass machten wir Mittagspause und schlenderten durchs hübsche Colmar, unsere Übernachtung in der Senfstadt Dijon allerdings sorgte bei mir für leichte Panikattacken. Es wimmelte von Spinnen, war dreckig und eng. In meinen Notizen findet sich folgender Eintrag: “Nein, so kann ich nicht leben. Wenn Camping immer solche Toiletten und Waschräume bedeutet, klappt das nicht.” Glücklicherweise blieb es nicht bei diesen Erfahrungen.

Im Süden Frankreichs gefiel es mir sogar so gut, dass ich mich ärgerte, nicht mehr Zeit (oder Gelassenheit) zu haben, um länger zu bleiben. Die Landschaft ist wunderschön und ich hätte gerne einige Ausflüge ins Umland der Campingplätze unternommen. Aber Spanien rief nach uns, wir freuten uns ja auch auf die Kontakte und Inspirationen, die wir uns von La Herradura, dem Worldschooler Hot Spot in Andalusien erhofften. Diesen hatte ich bei Facebook entdeckt und bereits meine Fühler ausgestreckt, was Veranstaltungen und Unterkünfte anging. Vorher blieben wir aber noch etwa eine Woche in Spanien an der Ostküste. Geplant war dieser Aufenthalt bei Valencia, allerdings fühlten wir uns dort so unwohl, die Campingplätze und die gesamte Umgebung trieben uns schnell weiter nach Süden. Wir waren dann witzigerweise auf einem Campingplatz, der fast in Sichtweite des Hauses meiner Großeltern liegt und wo Richard und ich bereits während eines Urlaubs 2010 unser cerveza con limon am Strand getrunken hatten. Hier gab es einen Wasserpark, tägliche Shows, Animation uvm. und wir fragten uns mehrmals, ob wir uns zu sehr verwöhnten. Gerne wären wir bis zum Wochenende geblieben, doch es kündigte sich ein Sturm an. Die Betreiber des Platzes verteilten Warnungen vor Wind und Regen und rieten uns dazu, unsere Besitztümer zu sichern. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag fing es an zu regnen. Und das war ein Regen! Ich lag ängstlich wach und wunderte mich über den seligen Schlaf meiner Familie. Als am Morgen der Wind die Planen aus den Traversen hob und die Metallhalterungen auf die Parzellen stürzten, beschlossen wir, sofort abzureisen und direkt nach Andalusien weiter zu fahren. Wie gut diese Entscheidung war, zeigte sich schon bald, denn ein Jahrhundertsturm traf weite Teile der Ostküste Spaniens. Viele Straßen waren wegen Überflutung gesperrt, auch der Campingplatz stand zum großen Teil unter Wasser. Wir waren froh und dankbar, rechtzeitig abgereist zu sein, denn Andalusien blieb von dem Unwetter verschont.

Da wir eine Weile bleiben wollten, war uns der passende Campingplatz hier besonders wichtig. Im Vorfeld hatte ich Rezensionen über die möglichen Plätze studiert und einen Platz quasi bereits ausgeschlossen. Den Nuevo Camping La Herradura, denn dieser sollte kleine Parzellen, schlechte sanitäre Anlagen und unfreundliche Betreiber haben. Leider, denn hier fanden ja die meisten Aktionen der Worldschooler statt, weshalb ich nicht allzu weit entfernt unser Lager aufschlagen wollte. In akzeptabler Entfernung gab es noch 4 weitere Plätze, die wir alle direkt am Donnerstag anfuhren und dann in Torrox fürs Wochenende blieben. Zufrieden waren wir dort aber auch nicht, und so wollten wir das Wochenende nutzen, um die anderen Plätze noch einmal in aller Ruhe anzuschauen. Und wer hätte es gedacht? Ausgerechnet der einzige Platz, den wir eigentlich ausgeschlossen hatten, gefiel uns auf Anhieb so gut, dass wir blieben. Für unglaubliche 3 Monate.

Und so erreichten wir unser erstes geplantes Ziel am 15. September 2019: La Herradura, Almuñecar, Provinz Granada.

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