Anstatt direkt ins neue Leben zu starten, planten wir zu Beginn einen Urlaub ein, 9 Tage Florida sollten helfen, vom Umzugsstress zu entspannen und mit einem guten Gefühl das Abenteuer USA anzugehen. Und, was soll ich sagen, der Sunshine State machte seinem Namen alle Ehre; wir hatten eine gute Zeit.
Am 13.10.2016 landeten wir nachmittags in Miami und verbrachten auch die erste Nacht dort. Der Weg zum urigen James Hotel gestaltete sich bereits abenteuerlich, da Richard beim Mietwagen auf ein Navi verzichtete. (Ist doch kein Problem, ohne Navi und ohne Karte in Miami Beach ein Hotel zu finden?) Das James Hotel ist mitten in South Miami Beach, ein kurzer Spaziergang führt zum Strand und das Hotel selbst ist etwas ganz Besonderes. Lauter Bilder, Figuren und Figürchen verzieren sowohl die Fassade als auch die Lobby und Innenwände des Hotels und geben diesem ein etwas skurriles Hippie-Ambiente (oder auch maritimes Gartenzwerge-Tier-Kitsch-Allerlei).
Der Jetlag machte uns in der ersten Nacht schwer zu schaffen, die Kids waren um 1:00 hellwach, nichts zu machen, also machten wir das Beste daraus und frühstückten um 3:00 nachts bei IHOP (International House Of Pancakes). Außerdem waren wir zum Sonnenaufgang am Miami Beach und das war wirklich wunderschön!

Nun begann unsere Reise, 1300 km in 9 Tagen! First part was Miami –> Orlando, mit einem kurzen Zwischenstopp am Indian Harbour Beach bei Melbourne, um uns nochmal in Sand und Wasser auszutoben. Unterwegs auf Amerikas Straßen kann man schon so manche Kuriosität erleben. Wir überholten z.B. Autos, die in Deutschland längst auf dem Schrottplatz gelandet wären, vom TÜV mal ganz zu schweigen. Hier werden solche kaputten Autos selbstverständlich gefahren. Ein Auto war völlig vollgestopft mit Möbeln und Kisten und die Heckklappe stand weit offen, ohne jede Sicherung und das bei Tempo 100. Und den Vogel hat der Typ abgeschossen, der eine Zeitung überm Lenkrad liegen hatte und darin las. Ich dachte, ich gucke nicht richtig, vor allem, als wir bemerkten, dass auf der Rückbank ein Kind sitzt. Ich finde auch noch bemerkenswert, dass auf Raststätten nachts eine bewaffnete Security patroulliert. Viel Neues also für uns zu sehen. Ich finde es immer noch erstaunlich, wie gut die Kinder diese Umstellung, all das Aufregende und Andersartige mitgemacht haben. Die Autofahrten selber gestalteten sich allerdings auch schon mal anstrengend, bis wir endlich eine DVD mit Cartoons kauften, die im Auto gesehen werden konnte, ab diesem Zeitpunkt war Ruhe.

In Orlando wohnten wir bei Freunden, die eine Tochter in Benjis Alter haben. Aber Orlando hat, außer den großen Erlebnisparks, nicht besonders viel zu bieten, fanden wir jedenfalls. Und die waren uns zu teuer und unsere Kinder eigentlich noch zu klein dafür. Wir hatten einen schönen Tag im Garten und auf dem Spielplatz in einem nahegelegenen Park, wobei nahegelegen bei den Entfernungen hier schon ungewohnt sein kann. 🙂 Und was soll ich sagen, die einfachen Dinge sind oft die Besten, die Kinder waren zufrieden., Joshua versuchte, erste Kontakte auf Englisch zu knüpfen und Schwäne füttern und Eis essen macht auch glücklich. Auch hier gab es wieder Spannendes: Frauen werden gebeten, auf dem Spielplatz keine HighHeels zu tragen und der Futterautomat für Entenfutter wurde von einem Schwarm Tauben übernommen. Wir kamen uns vor wie bei Alfred Hitchcock.

Den nächsten Tag wollten wir gerne wieder am Strand verbringen und wir entschieden uns, einen Tag an der Westküste zu verbringen. Wir wählten Siesta Key Beach aus, #1 Beach in the USA. Der Strand war schön breit, das Wasser ganz ruhig und sehr flach und der Sand so weiß, wie ich ihn noch nicht gesehen habe. Ein wirklich schöner Tag, an dem wir uns die Zeit mit Sandburgen bauen, im Wasser planschen und Papa einbuddeln vertrieben, Quality time, wie es im Urlaub sein soll. Für Kinder ist die Westküste Floridas ideal, die Strände dort sind wunderschön und das Wasser flach und ruhig, sogar Benji kann dort alleine im Wasser spielen.

Eine letzte Station hatten wir noch auf unserer Reise: St. Augustine, die älteste Stadt der USA. Hier leben auch Richards Onkel Jim und sein Cousin Trey, die wir unbedingt besuchen wollten. Wir fuhren einen kleinen Umweg (die paar Meilen extra…) um am Kennedy Space Center Fotos zu machen, anschauen werden wir uns diese Attraktion erst, wenn die Kinder älter sind.

St. Augustine ist absolut sehenswert. Eine Perle. Diese Stadt hat sogar eine Fußgängerzone (!), das gibt es hier sonst nicht. Und die Stadt ist so schön, hübsche bunte Häuschen, urige Cafés, viel Historisches und nicht zu vergessen: der Strand! Wer Dänemark liebt, ist hier im Paradies, ich fühlte mich wie am Saltum Strand, allerdings bei 30° Luft- und ähnlicher Wassertemperatur. Und nachdem Richards Geschichte über Dutzende von Haifamilien, die angeblich direkt am Strand von St. Augustine überwintern, als Seemannsgarn enttarnt wurde, traute ich mich auch hinein in den Atlantik. Trey wurde uns schon von Richard als bester Sandburgenbauer überhaupt angepriesen und so freute sich Joshua besonders auf ihn. Der gemeinsame Nachmittag wurde mit eifrigem Buddeln und Bauen verbracht und manches blieb sogar stehen, vieles fiel allerdings dem eigens mitgebrachten Zerstörer-Bruder zum Opfer. Spaß hatten so alle.

Im historischen Teil St. Augustines besuchten wir selbstverständlich das alte Fort, ein echtes Highlight, nicht nur, weil wir beim Blick auf die Bucht Delphine zu Gesicht bekamen, die munter durchs Wasser pflügten. Alte muffige Mauern, spanische Soldaten, echte Kanonen… was will man mehr! Joshua löste alle Rätsel der Junior Ranger mit Leichtigkeit und trug stolz sein Abzeichen. Das alte Gefängnis stand auch auf dem Programm, ein unscheinbares Gebäude, das von außen harmlos wirkt, aber grausame Geschichten zu erzählen weiß. Stilecht von einem Deputy durch die Räumlichkeiten geführt, fühlten wir uns zurückversetzt in Zeiten, in denen man wahrlich nicht im Gefängnis sitzen wollte. Die Figur des Sherriff soll übrigens angeblich lebensgroß sein…

In Florida kommt man um eines nicht herum: Alligatoren. Sie lauern auf Postkarten, Magneten, T-Shirts… aber eben auch echt und lebendig im Sumpf nebenan. Auf der Fahrt vom Kennedy Space Center erspähte ich tatsächlich ein Exemplar im Fluss direkt neben der Straße. In St. Augustine besuchten wir dann die Alligator Farm und standen so manchem dieser Urzeitmonster Auge in Auge gegenüber, zum Glück getrennt durch Scheiben oder Zäune. Ich sah hier erstmals Albino-Alligatoren und beeindruckend war auch Maximo, ein menschenfressendes Salzwasserkrokodil. Von einem der Alligatoren wurde berichtet, dass er einst “lernte”, Kanus und kleine Boote umzukippen, um dann zu fressen, was herausfiel. Üble Viecher, oder?

Unsere Zeit in Florida war damit vorbei, wir fuhren nur noch nach Orlando zurück, verbrachten einen Tag im Schwimmbad und dann hieß es erneut: Koffer packen, aber nicht, um zurück nach Deutschland zu fliegen, sondern ab ins neue Leben in Austin. Komisches Gefühl.

Zum Schluss noch mein Fazit zum Florida-Urlaub: Die Zeit war zu kurz, aber wunderschön. Wir kommen definitiv wieder, um die Westküste noch weiter zu erkunden und die wundervollen Strände dort zu genießen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

sixteen − seven =