Anfang August waren wir noch in Rumänien, Mitte August ging es dann nach Bulgarien. In Rumänien waren wir noch voll im Reisemodus, dies änderte sich in Bulgarien. Im Frühjahr sah ich ein Interview bei einem Online Kongress mit Swantje und ihrem Sohn Elia. Danach nahm ich Kontakt mit ihr auf und so kam Bulgarien auf unseren Radar. Die Schilderungen ihres Lebens hier und der Freiheit, die sie genießen, klangen verlockend. Wir testen also, ob wir uns vorstellen können, hier sesshaft zu werden.

Wir erkunden natürlich auch in Bulgarien neugierig neue Orte und verbringen Tage als Touristen, aber es stehen auch Grundstücks- und Hausbesichtigungen auf dem Programm. In Gesprächen geht es um Schönes und Schwieriges, das eine Auswanderung hierher mit sich bringt.

Mein Monatsrückblick beginnt also mit einem Reisetagebuch zu der Zeit in Rumänien und gibt außerdem Einblick in unsere Erfahrungen hier in Bulgarien. Im August gab es vom getrockneten Schlamm in der Walachei bis zur Steilküste Kavarnas viele Eindrücke, Hochs und Tiefs, neue Erkenntnisse und Überraschungen. Und auch ganz viel Sommer!

Reisetagebuch Rumänien

  • 1.8.23 – Mit dem Juli haben wir auch die Hügel und Berge Transsilvaniens hinter uns gelassen. Schade, die Landschaft hat uns sehr gefallen. Die Walachei hier ist weit, flach und öde.
  • 2.8.23 – Buzau ist keine Schönheit, aber es hat einen Skatepark. Die Jungs brauchten einen Moment, um von Screen Time auf Bewegungsmodus umzuschalten, aber dann waren sie wieder voll drin. Und Katzenbabys haben wir entdeckt. Wie süß!
  • 5.8.23 – Wir sind nochmal Richtung Karpaten gefahren. In den Ausläufern der Westkarpaten findet sich nämlich ein besonderes Phänomen: Schlammvulkane. Matschpfützen, die ständig am Blubbern und Brodeln sind. Aus denen, zum Teil spritzend, Schlamm aus bis zu drei Kilometern Tiefe herausläuft und Vulkankegel bildet. Eine Mini-Mondlandschaft mitten im Grün der Karpaten. Der Schlamm sollte besser nicht berührt werden, er kann Hautirritationen und -reizungen hervorrufen. Da es länger nicht geregnet hat und wir nicht zu dicht an die Löcher herangingen, blieben sogar unsere Schuhe sauber. Der Boden fühlte sich zum Teil an wie dieser Bodenbelag auf Spielplätzen. Fest und doch leicht nachgebend. Wir konnten sogar Fußabdrücke hinterlassen. Eindrucksvoll, Schlammvulkane kannten wir bisher noch nicht. Außer hier in Rumänien sind sie in Europa noch in Italien und der Ukraine zu finden.
Direkt am Krater des Vulkans.
Blubb, Blubb.
Joshua ist wieder in seinem Element.
Auch Benji ist dabei.
  • 6.8.23 – Unterkunftswechsel. Wir sind jetzt in der Nähe von Bukarest. Direkt an einem See gelegen. Eine Wohnanlage mit beheiztem Pool und Fitnessbereich. Happy me! Wir haben in der Wohnung zwar keinen Esstisch, aber man kann eben nicht alles haben, oder?
  • 7.8.23 – Ach was! Ich habe auf Google Maps geschaut, was hier so in der Nähe ist und dabei entdeckt, dass fußläufig (5 Minuten Fußweg) eine Klosterinsel liegt, auf der die Gebeine von Vlad III. (Dracula) liegen sollen. Sein Kopf wurde nach Konstantinopel gebracht. Liegen seine Knochen wirklich hier? In dieser Kapelle? Oder unter dem Hügel hinter der Kirche? Wer weiß das schon! Johnny (der Vater unseres Vermieters) meint, die Wahrscheinlichkeit sei recht hoch, er sei zu 75% überzeugt. Denn früher gab es keine Brücke zu der Insel, man kam nur mit dem Boot oder durch geheime Tunnel dorthin. Und deshalb habe sich Vlad hier oft versteckt und könnte tatsächlich auch hier begraben liegen. Ist es also möglich? Oder möchte das Kloster auch nur ein Stück vom Draculakuchen? Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.
  • 10.8.23 – Wow, das war toll! Wir haben eine Einladung bekommen zu einer Bootsfahrt. Johnny, der Vater unseres Vermieters lebt selbst hier in der Appartementanlage und hat uns gefragt, ob wir Lust haben, mit ihm rauszufahren. Er fährt beinah täglich seine Runde (er hat zwei Boote und zwei Jet-Skis) und heute Abend waren wir mit dabei. Da er sein Bier vergessen hatte, haben wir eben bei einem Restaurant angelegt und Getränke für alle besorgt 😁. Und während der Fahrt hat er uns erzählt, wer hier alles so am See wohnt. Anscheinend haben wir ein kleines Juwel gefunden. Die reichsten Rumänen scheinen sich hier am See nieder zu lassen. 🤑
  • 11.8.23 – Heute war ich noch nicht im Pool. Habe aber einen adäquaten Ersatz gefunden: die Therme Bukarest. Wassertemperatur von 32-36 Grad und Europas längstes Wasserrutschensystem (1,6 Kilometer Rutschen) versprechen viel Spaß für uns vier. Allerdings gibt es viele Regeln, die streng eingehalten werden. Nachdem ich mit einem rigorosen: “Ey, no fotos!” (charmant 😜 ) bereits vor der Kasse auf die erste hingewiesen wurde, ging es straight weiter. Badelatschen mussten gezeigt werden (in der Tasche, damit man nicht einfach mit seinen Straßen Flip Flops ins Bad latscht). Schmuck musste abgenommen und in den Schrank gebracht werden und auch auf die Größe und das Alter der rutschwilligen Kinder wurde strengstens geachtet. Wir hatten trotzdem viel Spaß, haben einige Rutschen ausprobiert und uns im warmen Wasser treiben lassen. Draußen gab es einen Pool mit Bar, der clubmäßig von einem DJ mit Musik beschallt wurde. Auf der Sprudelbank die Hüften zu “Pump Up the Jam” zu schwingen war auch eine Premiere. 💃🕺
  • 12.8.23 – Erster Stopp heute auf dem Weg nach Bukarest: Die Tiriac Collection. Absolut irre! Wie kann ein Mensch sooooooooooooooooooooooooooooooooooooo viele Autos besitzen?! Und was für welche! Deutsche, Italiener, Engländer, Amerikaner… Elton Johns rosa Rolls Royce und Zurück in die Zukunft- DeLorean DMC, unzählige Ferraris, winzige Messerschmidt, Isetta und Co. neben dicken Mercedes Schlitten und historischen Popcorn- und Feuerwehrwagen. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Statt Schuhe aus hieß es hier: Überzieher an. So glänzt die Halle auch weiterhin.
  • 12.8.23 – Bukarest – das Paris des Ostens. Alte historische Gebäude neben hässlichen Plattenbauten. Kitsch und Kunst und wir mittendrin. Es war so angenehm leer in der U Bahn und der Altstadt, sehr ungewöhnlich für Wochenende, Sommer und die Größe der Stadt. Wunderbar.
  • 13.8.23 – Wir sind weitergefahren. Ans Schwarze Meer. Und wir haben hier das erste Mal eine Unterkunft, die wir nicht für uns alleine haben. Wir wohnen bei einer Familie mit drei Kindern. In ihrem Garten wächst sehr viel Gemüse, sie bauen als Homeschool Projekt ein Steinhaus selber und sie haben drei Katzen, zwei Hunde, viele Hühner und nette Nachbarn mit Pool. Dort konnten wir uns nach der langen und heißen Fahrt abkühlen.
  • 14.8.23 – Natürlich wollten wir an den Strand. Aber jetzt wissen wir, wieso es in Bukarest so leer war. Die sind ALLE hier. 😳 Morgen ist auch noch Feiertag, also haben noch mehr Menschen das lange Wochenende hier verbracht. Es ist picke packe voll. Schrecklich, einfach nur schrecklich. Aber ins Meer mussten wir doch. Endlich wieder Salzwasser auf der Haut. Ein bisschen in den Wellen spielen und dann schnell wieder weg.
Pool mit Aussicht.
Die Grabstelle von Graf Dracula?
Bootsfahrt auf dem Lacul Snagov.
Bukarest
Die Tiriac Collection auf Hochglanz poliert.
Therme Bukarest - Fotos nur von außen erlaubt.
Zu Gast bei einer Familie.
Am Strand ist halb Rumänien versammelt.

Geteiltes Zuhause – Eine besondere Erfahrung über airbnb

Ohne unseren Homie sind wir immer wieder auf der Suche nach Unterkünften. An der rumänischen Schwarzmeerküste war das eine Herausforderung. Es wurden fast nur Zimmer vermietet, keine ganzen Wohnungen oder Häuser. Und hübsch war die Auswahl auch nicht. Bis auf eine Ausnahme. Die Bilder der Unterkunft bei Razvan zeigten ein liebevoll und künstlerisch eingerichtetes Haus. Er selbst beschreibt sich als Fotograf und Kirchenchorsänger, Vater und Träumer, der gerne auf dem Land lebt und mit seiner Familie Obst und Gemüse anbaut. Das überzeugte uns, auch wenn wir hier keine ganze Unterkunft für uns haben würden.

Am ersten Tag überwog bei uns das Gefühl der Enge. Wir waren sehr unsicher, ob wir 5 Tage gemeinsam mit einer fremden Familie auf so engem Raum schaffen würden. Und am Ende der Woche stand für uns fest, dass wir das auch nicht mehr möchten. Gemeinsam auf einem Grundstück, allerdings mit eigener Wohnung, hätten wir uns doch wohler gefühlt. Dennoch war das eine Erfahrung, die wir nicht missen möchten. Denn wir haben dort tatsächlich am Leben unserer Gastgeber teilgehabt, fühlten uns manchmal, als wären wir Teil der Familie.

Razvan befindet sich in der Ausbildung zum orthodoxen Priester und muss morgens ziemlich früh raus zum Morgengebet. Auch Richard ist einmal um 5 Uhr aufgestanden, um daran teil zu nehmen. In die Woche fiel auch der Feiertag Mariä Himmelfahrt (hier Mariä Entschlafung), der groß gefeiert wurde. Mit Gottesdienst, gemeinsamem Essen (als Fastenbrechen, die orthodoxen Christen bereiten sich mit 14-tägigem Fasten auf den Feiertag vor) und viel Schnaps.

Der Nachbar und Freund von Razvan ist einer der erfolgreichsten Stand-Up Comedians Rumäniens. Er hat uns ebenso willkommen geheißen wie Razvan selbst. Wir konnten bei ihm im Garten den Pool nutzen und waren zu einer Party eingeladen. Richards Ausflug ins Kloster endete ebenfalls mit einer Einladung für uns alle ins Restaurant.

Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen war wirklich eine besondere Erfahrung. Wir sind froh, sie gemacht zu haben.

Herzlich Willkommen!
Prost! Schnaps gab es reichlich!
Richard und Razvan
Gemüsegarten mit Ofen und Sitzecke.
Die Kerze brennt immer.
Noch etwas verschlafen beim Morgengebet.

Bulgarien

Angenehme Überraschung an der Schwarzmeerküste

Unser letzter Stopp in Rumänien an der Schwarzmeerküste war landschaftlich eine Enttäuschung. Die Gegend ist geprägt von Landwirtschaft, Felder soweit das Auge reicht. Und dazwischen fehlen Bäume. Der Wind fegt über das Land, wie wir es sonst nirgendwo in Rumänien erlebt haben. Es ist sehr kahl und öde. Und auch die Küste selber bot keine reizvollen Ecken. Wir waren natürlich zu einer Zeit dort, als alle Strände krass überfüllt waren. Es war Hauptsaison und dazu noch Feiertag. Klar. Aber auch wenn wir uns die Menschenmassen wegdachten gefiel uns die Küste nicht wirklich. Da haben wir schon viiieeel Schöneres gesehen.

Umso erfreuter waren wir, als nur knapp 50 Kilometer weiter südlich nach der Grenze wieder Bäume auftauchten. Es wurde richtig grün. Und die Küstenlandschaft ist so schön. Sehr abwechslungsreich. Steilküste, Sandstrände, Steinstrände, schöne Felsformationen… wir sind begeistert. Da wir hier eine Unterkunft für einen Monat gemietet hatten, waren wir zuletzt in Rumänien schon etwas besorgt, es könnte hier ähnlich aussehen. Das Auge isst ja bekanntlich mit und so ist die Umgebung, in der wir uns aufhalten, nicht unwichtig. Umso mehr, da wir ja erwägen, hier sesshaft zu werden.

Balchik in der Dämmerung.
Am Kap Kaliakra.
Rote Felsen am Strand Bolata.
Neuer Strand, neue Felsen.
Idylle auf dem Land.
Ich genieße die Aussicht.

Добре или какво? Sprachbarrieren auf neuem Level

Mit der Grenze zu Bulgarien bekamen wir nicht nur wieder eine neue Währung und eine neue Sprache, sondern auch ein neues Alphabet. Denn in Bulgarien wird die kyrillische Schrift verwendet. Bedeutet: Wir verstehen nicht nur niemanden, wir können zusätzlich auch nichts mehr lesen. Bisher war das Lesen oft eine große Hilfe, auch wenn wir die Sprache an sich nicht beherrschen. Auch in Rumänien klappte das noch gut, denn Rumänisch ist eine romanische Sprache und mit Italienisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch verwandt. Aber in Bulgarien ist es damit vorbei. Davor war uns schon etwas mulmig.

Nach der Grenze war ich deswegen erstmal erleichtert, dass auf den Wegweisern beide Schriftarten stehen. Und dass die Kommunikation für unsere Unterkünfte relativ gut auf Englisch funktionierten. Am ersten Abend waren wir Essen in Балчик/Balchik. Unser Kellner sprach perfekt deutsch, sobald er merkte, wo wir herkommen. Ok, so geht es natürlich auch. Aber so einfach ist es nicht immer. Viele Menschen hier sprechen gar nicht oder nur sehr schlecht Englisch. Bei Lidl herauszufinden, welches Brot aus Roggenmehl ist, ist ohne Google Translate unmöglich. Nach dem Einkauf den Bon kontrollieren kannst du auch vergessen.

Richtig unangenehm wurde es für mich Ende des Monats, als ich Ohrenschmerzen bekam und zu einer HNO-Ärztin ging. Mich in medizinischen Angelegenheiten nicht verständlich machen zu können, stresst mich sehr. Dazu kam, dass ich den Eindruck hatte, dass die Ärztin genervt war, weil ich nichts verstand und auch die Kommunikation über Google Translate nicht sonderlich gut funktionierte. Meinen Namen für ein Rezept aufzuschreiben, wurde zur Herausforderung, denn meinen Ausweis konnte sie nicht lesen und das Buchstabieren war aufgrund des eher ungewöhnlichen Vor- und Nachnamens auch nicht leicht. Ich fühlte mich ziemlich hilflos und möchte hier ungern in eine Situation kommen, in der spontan ärztliche Hilfe für die Jungs nötig ist oder gar ein Krankenhausaufenthalt.

Bei Abenden, an denen wir gemeinsam mit unseren Vermietern zusammensaßen, lernte ich einige einfache bulgarische Wörter. Die Sprache bleibt allerdings ein großer Faktor auf der Minus Seite der Liste. Italienisch oder Spanisch lernt sich doch bedeutend einfacher.

Na, zu welchem Doktor möchten Sie denn?
🤔

Mein Lied des Monats

Ich habe diesen Monat Sarah Lesch wieder gefunden. Da draussen, Nichts, Friedensfrikadelle und Eisenheinrichs Fischerlied sind so ein paar Lieblingslieder, die ich gerne höre und mitsinge, wenn ich meine Me-Time-Spaziergänge mache. Und das Testament, das so klar mit dem deutschen (Schul-)System aufräumt, wie ich es mich oft nicht traue, auszusprechen.

"Und ganz egal, wohin der Weg uns führt, am Ende ist der Himmel sternenklar."

Das Foto hat Swantje gemacht. Wir waren abends dort, haben gemeinsam gegessen und unter den aufgehenden Sternen erzählt. Was für ein schöner Abend und was für ein schönes Foto. Danke.

Ausblick – Was passiert im September?

  • Should I stay or should I go? Verlängern wir unseren Bulgarienaufenthalt oder geht es wieder weiter? Und wohin?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

4 × one =