Der Februar war eine Wundertüte. Er hielt Neues für uns bereit. Neue Orte, neue Menschen, neue Erfahrungen. Und wie das so ist bei Wundertüten, weiß mensch vorher nicht, was drin steckt. Manches ist schön, aber manches davon gehört leider eher in die Kategorie Kakaraschung (ja, mit diesem Begriff hat eine bekannte Windelherstellungsfirma Werbung gemacht). Wir sind zu Anfang des Monats an den Lago Maggiore gekommen, um zu bleiben. Und wir beenden den Monat in ziemlicher Unsicherheit, wie es weiter geht.

Neue Orte

“Um einen Ort zu erreichen, muss man erst einen anderen verlassen.” Jan Rys 

Ja, wir waren froh, aus dem dauergrauen Winter Deutschlands zu verschwinden und hofften auf mehr Sonne. Doch die gemeinsame Zeit mit meinen Eltern ist auch schön und immer sehr intensiv. Für alle Beteiligten. Neue Orte bringen neue Eindrücke mit, wir dürfen jetzt Neues entdecken und erleben. Meine Eltern bleiben zurück und müssen die Stille aushalten. Bis daraus wieder die Ruhe genießen wird, dauert es ein paar Tage. Das wissen wir und wir sind euch sehr dankbar, dass ihr euch immer wieder auf diese Situation einlasst.

Unsere erste Woche am Lago Maggiore startete nicht ruhig, sondern gleich mit Vollgas. Denn wir erhielten die Info, dass zwei Familien für die Faschingsfeierei nach Deutschland und in die Schweiz fahren würden. Also nutzten wir jede Gelegenheit, gemeinsam etwas zu unternehmen, um direkt in den Kontakt zu kommen. Mir persönlich war das schon etwas zu viel, ein Tag Pause hätte auch gut getan. Denn wir hatten ja auch noch Kisten und Koffer auszupacken und räumten die Ferienwohnung erst einmal komplett um, damit sie besser zu unseren Bedürfnissen passte.

Schön war es natürlich trotzdem. Die Jungs freuten sich, endlich wieder mit Gleichaltrigen unterwegs zu sein. Wir lernten die Orte kennen, an denen sich das gemeinschaftliche Leben oft abspielt, und die Sonne schien täglich auf uns herab. Wir haben den Berg, der sich direkt neben uns erhebt, umwandert, das Dorf und den angrenzenden Wald erspielt und als Familie am Wochenende den Ort Mergozzo, am gleichnamigen kleinen See in direkter Nachbarschaft zum Großen gelegen, erkundet. Wir haben sofort Infos und Tipps zu Häusern, die zum Verkauf stehen bekommen und gemeinsam Geo Caches gesucht.

Ausblick auf den Lago Maggiore bei einer Wanderung um den Monte Cimolo.
Mergozzo am gleichnamigen See mit Ausblick aufs Zermatt Gebirge

Überraschung

Und dann war es plötzlich still. Zwei von vier Familien waren weg, bei der dritten wurden die Kinder krank und so gab es nur noch uns. Das war tatsächlich eine unangenehme Überraschung. Also eigentlich gleich zwei. Denn wir hatten mit mindestens zwei Familien mehr gerechnet, erfuhren nun aber, dass es da Unstimmigkeiten gegeben hatte, weshalb sie nicht mehr mit Stella Verde verbunden sind. 😕

Die nächsten zwei Wochen waren sehr ernüchternd. Es kriselte gleich an mehreren Fronten.
Wie soll ein Gefühl von Gemeinschaft aufkommen, wenn die Mehrheit alle paar Wochen nicht da ist? Von der dritten Familie erfuhren wir, dass sie nicht bleiben werden, was unsere Gemeinschaft auf drei Familien reduziert. Zwei davon sprechen aber von Deutschland und der Schweiz als zuhause und sind regelmäßig nicht vor Ort. Also, das hatten wir uns definitiv anders vorgestellt.

Dazu kam, dass die Wohnung kalt ist, vor allem im Badezimmer. Dort auch feucht. Das hebt die Laune nicht unbedingt. Und wir mussten uns eingestehen, dass wir den Winter unterschätzt hatten. Wir sind ja seit gut sechs Jahren keinen echten Winter mehr gewohnt und es fällt uns doch nicht so leicht, mit der Kälte zurecht zu kommen, wie wir gehofft hatten. Mit Benji diskutieren wir jeden Tag über den wärmenden Nutzen einer Jacke bei Temperaturen unter 10 Grad, er wäre am liebsten barfuß und im T-Shirt unterwegs.

Und die Haussuche macht uns deutlich, was wir uns eigentlich wünschen. Wie wir wohnen wollen. Und dass der Markt hier solche Häuser in unserem Budget gar nicht hergibt. Der See ist zwar schön, aber er ist eben nicht das Meer, und als wir am zweiten Wochenende allein, aber bei Sonnenschein, am Seeufer saßen, drängte sich der Gedanke auf, dass das Leben am Strand schon schöner ist. Was machen wir denn dann aber eigentlich hier? Und wieso haben wir soviel Zeug dabei?

Es ist eben leider nicht alles Gold, was glänzt. Im September haben wir uns blenden lassen, vom goldigen Schimmer, haben unsere Erwartungen hoch geschraubt und fühlten uns jetzt, als hielten wir nur Katzengold in der Hand.

Erste Wanderung noch bei Schnee und Eis.
Einmal alles auf den Kopf gestellt.
Die Aussicht ist eher trübe, neblig und kalt ist es auch.
Ist das der richtige Platz zum Anker werfen?

Neue Pläne

Was machen wir nun mit dieser neuen Situation? Alles einpacken und ab in den Süden? Wir waren kurz davor. Eine Winterpause im Warmen, das klang sehr verlockend. Aber so schnell wollten wir auch nicht aufgeben. Außerdem hätte das bedeutet, innerhalb weniger Tage all unser Zeug wieder irgendwo unterzubringen oder doppelt Miete zu zahlen. Nein, es fühlte sich nicht gut an, so kopflos irgendwohin zu fahren oder zu fliegen. Wir wollen auch der Gemeinschaft noch ein paar Wochen geben, um zu sehen, wie sich das Miteinander denn eigentlich gestaltet. Schließlich haben wir erst eine gemeinsame Woche erlebt. Ende Februar kommt eine Familie wieder zurück und Anfang März wohl auch die andere. Dann wollen wir mal sehen, was sich eventuell anders anfühlt.

Gleichzeitig strecken wir unsere Fühler aber auch schon aus und planen, welche weiteren Orte sich lohnen würden, anzusehen. Allerdings achten wir diesmal weniger darauf, dass es schon bestehende Gemeinschaften gibt, sondern dass Grundstücke und Häuser in unserem Budget zu erwerben sind. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas Eigenes aufzubauen, anstatt uns anderen anzuschließen. Natürlich würden wir uns freuen, auf dem Weg über eine offene Gemeinschaft frei sich bildender Menschen zu stolpern, aber falls nicht, schaffen wir uns vielleicht selbst den Raum, den wir uns wünschen und der für andere attraktiv sein kann.

Aber all das sind nur Spekulationen, Wünsche und Ideen, was kommen könnte. Den März warten wir auf jeden Fall ab, und treffen dann eine Entscheidung für den nächsten Schritt. Wir hatten gedacht, 2023 wird ruhiger, weil wir hier sesshaft werden. Ach ja, ich habe einfach immer noch nicht kapiert, dass das mit den Plänen keine gute Sache ist. Der Mensch denkt und Gott lacht, oder wie geht der Spruch? Gott lenkt, wäre mir lieber. Danach möchte ich wieder mehr fragen, was Gott zu meinen Plänen meint. Dafür suche ich noch nach Stille, Raum für mich und Gespräche mit Gott. Wenn mein Herz nicht mehr so laut schlägt und sich etwas beruhigt, kann ich vielleicht besser auf seine Stimme hören.

Ich denke gern, dass das Beste noch kommt.
Das Gedankenkarussell ist gerade eine Berg-und-Tal-Bahn, mal froh und laut ...
... dann ruhig und abwartend.

Weitere Überraschungseier im Februar

  • Da wir soviel mitnehmen wollten, packten wir das Auto pickepackevoll und Richard fuhr allein. Ich kam mit den Jungs im Flieger ein paar Tage später nach. Noch in Deutschland erhielt ich dann von Richard die Nachricht, dass das Auto in die Werkstatt muss, Stoßdämpfer sind kaputt.
  • Mein Coachingstart verschob sich um zwei Wochen und auch nach dem ersten Termin musste krankheitsbedingt nochmal eine Pause eingelegt werden. Kann keiner was dafür, ich hatte mich nur schon so drauf gefreut.
  • Miau! Unsere Vermieterin ist verreist, aber ihre Katze ist zuhause geblieben. Und schwupps, saß sie auf unserer Fensterbank und hat unsere Herzen, Stühle und Betten im Sturm erobert.
  • Fasching in Verbania. Etwas enttäuschend der Umzug, keine Wagen, keine Süßigkeiten, aber immerhin Kostüme und Konfetti.
  • Fastenzeit: Huch, du kommst immer so überraschend. Nein, diesmal eigentlich nicht, ich hatte schon vorher angefangen zu fasten und bin überrascht, wie gut ich beim Intervallfasten mit einer Essenspause von 16 Stunden zurecht komme.
  • Gegen Ende des Monats war klar: auch die Kupplung am Auto ist definitiv nicht in Ordnung. Da steht der nächste Werkstattbesuch an.
Da wird er abgeholt, der Brownie. Gut, dass es die gelben Engel gibt.
Ich bin erschöpft. Sonne hilft, aber wie gut, dass mein Coaching endlich startet.
Dieses hübsche Wesen besucht uns regelmäßig und macht sich breit.
Konfetti statt Zuckerzeug. Mama freuts, die Jungs eher nicht.

Mein Lied des Monats

Neues für meinen Jahressoundtrack. Im Februar hab ich mir von Silbermond “Ans Meer” am liebsten angehört. Warum? “Wenn alles zuviel wird, bring mich dorthin. Dreh meine müden Segel in den Wind. Füll meinen Atem, feder mein Herz, bring mich zur Ruhe, bring mich ans Meer.” Leider ist das Meer zu weit weg für einen Tagesausflug. Aber hin träumen kann ich mich ja.

Das Medley aus “10,000 Reasons” und “What a Beautiful Name” von Caleb and Kelsey hilft mir, Gott zu loben, mich an jedem neuen Tag auf seine Gnade zu verlassen.

Wenn alles zuviel wird, bring mich dorthin.

Ausblick auf März:

  • Komm schon, Frühling! Wir brauchen Sonne!
  • Wir genießen die Gemeinschaft, so lange wir Teil davon sind.
  • Wir trauen uns mit der Eimer-Seilbahn auf den Berg – vielleicht.
  • Du merkst es schon, ich mach lieber keine Pläne, sondern halte den Ball flach. 😬

2 thoughts on “Februar 2023 – Es ist nicht alles Gold, was glänzt

  • Das ist, glaube ich, der 3. Blogbeitrag meines Lebens, den ich von vorn bis hinten durchgelesen habe. Hach ihr Lieben…ich vermisse euch!♥️

  • Ich winke von der Schweizer Seite!
    Spannend, was Ihr da vor habt!
    Wir sind seit 25 Jahren Teil einer Dorfgemeinschaft im Gambarogno im eigenen Haus und nur als „Feriendorfbewohner“. Trotzdem gehören wir dazu und fühlen uns unglaublich heimisch. Vielleicht findet sich einmal die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Kaffee.x
    Viele Grüße von Katrin (@nordlandverliebt bei Insta)

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