Wir sind wieder unterwegs. Das Jahr ist schon zur Hälfte rum und wir beginnen die zweite Halbzeit mit einem Neustart. Ohne Wohnwagen in Richtung Osten. Neuland liegt vor uns, im Osten Europas waren wir (gemeinsam) noch nicht. Wir haben den Schengen-Raum verlassen und rechnen mit anderen Währungen als dem Euro. Vorurteile werden bestätigt oder widerlegt. Unsere Ohren hören neue Sprachen und wir schließen neue Kontakte. Wir werden wieder neu herausgefordert, unsere Komfortzone zu verlassen, und diesmal haben wir nicht unsere eigenen Betten im Schlepptau. Der Juli war ein 2300 Kilometer langer Abenteuerweg, mit neuen Erfahrungen auf neuen Wegen.

Ohne Klo und Küche zu reisen bedeutet, auf gute Ausstattung in den Unterkünften angewiesen zu sein. Wir haben einiges im Auto dabei, aber gerade Küchenutensilien nicht in Massen. Wenn diese in den Unterkünften fehlen, ist das schon blöd. Wir können auch nicht so viel nachkaufen, denn der Platz im Auto ist begrenzt und natürlich schon maximal ausgenutzt. Die Schlepperei von Klamotten und Vorräten und das damit verbundene erneute Packen des Autos an jeder Unterkunft nervt auch etwas. Da wünschen wir uns manchmal schon den Homie herbei, wo alles seinen Platz hat und wir abends in unser eigenes Kissen sinken. Das eigene Klo hätte uns wohl auch den Magen-Darm-Virus erspart, den wir aus dem Freilernercamp mitnahmen.

Andererseits können wir ohne Wohnwagen auch mal schneller als 100 km/h fahren. Enge Straßen oder Kurven und auch die Parkplatzsuche machen mir weniger Sorgen. Es ist viel einfacher, mal eben irgendwo anzuhalten und eine Pause einzulegen, wenn wir nicht einen mindestens 12m langen Parkplatz brauchen. Schlaglöcher sind natürlich genau so eindrucksvoll, doch ohne Anhänger lassen sie sich etwas einfacher umfahren. Und mehr als ein Zimmer zur Verfügung zu haben, tut uns auch sehr gut.

Mein Juli

Goodbye Deutschland

Endlich Abfahrt! Es wurde nun wirklich Zeit, wieder loszuziehen. So viel Zeit in Hohnstorf und das Italien-Chaos dazwischen schrien nach etwas Neuem. Und im Juli war es endlich soweit: Wir sind losgefahren. Da mein Vater am 01. Juli Geburtstag hat, haben wir noch gemeinsam gefeiert und uns dann auf den Weg gemacht.

Der Abschied fiel mir diesmal besonders schwer. Meiner Mama auch. Obwohl ich mich so darüber freute, wieder zu reisen, war mein Herz schwer. Die Zeit gemeinsam mit meinen Eltern ist ja auch immer wieder sehr intensiv. Aber auch wenn es mir diesmal schwer fiel, so ist es doch gut, wieder unterwegs zu sein.

Unser erster Stopp war allerdings noch in Deutschland. Wir haben Freunde bei Leipzig besucht. Für Sightseeing war es uns zu heiß, aber wir hatten einen schönen Tag gemeinsam am Badesee. Und anschließend besuchten wir noch Richards Bruder und seine Frau in München. Hier waren wir zuletzt 2016, bevor wir in die USA gestartet sind. Wie schön, dass wir auf dieser Reise jetzt hier Halt machen konnten. Mit der Grenzüberquerung nach Österreich hieß es dann: Goodbye Deutschland. Mal sehen, wann wir uns wiedersehen.

Happy Birthday! Opapas Geburtstag haben wir noch gefeiert.
Und einen Bootsausflug haben wir noch gemeinsam gemacht.
Abkühlung im Badesee.
Im München haben wir auch am Eisbach Halt gemacht und den Surfern zugeschaut.

Städtetrips im Tourimodus – Graz & Budapest

Richard hat Urlaub! Das bedeutet für uns, wir können unsere Reise völlig frei planen, Reisetage müssen nicht aufs freie Wochenende gelegt werden. Und wir haben Zeit, einfach herum zu bummeln und im Touristenmodus Städte entdecken. Das haben wir in Graz und in Budapest auch ausgiebig gemacht. Hier ein paar Highlights:

Graz

  • Der Schlossberg. Oben steht der Uhrturm, bei dem Stunden- und Minutenzeiger vertauscht sind. Die Stundenanzeige war wichtiger als die der Minuten und so gab es zuerst nur einen Stundenzeiger. Dieser war groß, damit er aus der Ferne besser gesehen werden konnte. Später kam der Minutenzeiger dazu.
    Hoch gestiegen sind wir mühsam über viele Treppenstufen, hinab ging es rasant in der Schlossbergrutsche im Inneren des Berges. (Mit 64 Metern die höchste Underground-Rutsche der Welt, 175 Meter Länge, ca. 40 Sekunden Rutschspaß, 25 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit) Abkürzung und Abkühlung in einem bietet auch der Schlossbergtunnel.
  • The friendly alien: Das Grazer Kunsthaus. Man kennt es als Nilpferdbaby, Seeschnecke, Stachelschwein, Walfisch und als „freundlichen Außerirdischen“ – den zuletzt genannten Namen gab ihm Colin Fournier, einer der beiden Architekten. Für ihn ist das Kunsthaus ein biomorphes, undefinierbares Etwas, ein Hybrid, fremd und vertraut zugleich, mit dem „Charme eines freundlichen streunenden Bastards mit höchst fragwürdigem Stammbaum.“
  • Nicht direkt in Graz, aber im Grazer Umland gelegen: Das Naturbad Eggersdorf. Wunderbar angelegt, ein tolles Freibad mit Sprungturm (1,5 und 2m Sprunghöhe) und Rutsche, Wasserspielplatz, Kinder- und Schwimmerbereich. Und all das ohne Chlor.
  • Last but not least: Sehr schön war es, dass wir hier Familie besuchen konnten. Wir waren etwas außerhalb von Graz und konnten uns wie zuhause fühlen. Ein schöner Garten, unser eigener Wohnbereich, gemeinsames Essen, Lagerfeuer, Unterhaltungen und Unternehmungen machten den Unterschied zum reinen Städtetrip. Dankeschön an Ilse, Paul und Marvin.
Auf dem Schlossberg vor dem Uhrturm
Blick von oben auf den "friendly alien"
Das Naturbad Eggersdorf
Gemütliche Runde an der Feuerstelle.
Hübsch gestaltete Metro-Haltestellen.
Blick auf das Parlament vom Wasser aus.
Schuhe als Denkmal.
Markthalle

Budapest

  • Metro und Tram fahren. Es gibt zwar nur vier Metro Linien, aber die bringen euch schnell durch die Stadt. Die M1 hat wunderschöne Haltestellen. Und die Tram 2 fährt an ganz vielen Sehenswürdigkeiten entlang der Donau vorbei. Mit dem Tagesticket (gültig 24 Stunden ab Fahrtantritt) der günstigste Weg durch die Stadt. Im Pest Teil der Stadt (am Ostufer der Donau gelegen) aber auch einfach durch die Straßen streifen. Hier sind so viele schöne Gebäude zu sehen, ich hätte immerzu für ein Foto stoppen können.
  • Bootstour auf der Donau. Entspannt im Boot sitzen und die Sehenswürdigkeiten bestaunen. Wir hatten ein Gratisgetränk und eine gute Zeit. Leider gab es keinen Guide, der uns zu den Sehenswürdigkeiten auch etwas erzählte. Richard und ich hätten das schon gerne gehabt, den Jungs war es nicht so wichtig. Aber über einzelne Gebäude, die uns interessierten, habe ich dann hinterher nochmal selber recherchiert.
  • Die bronzenen Schuhe. Ein Mahnmal an der Donau, zum Gedenken an hier erschossene Juden. Keine leichte Kost. Eindrücklich, drückend, unangenehm. Gegen das Vergessen.
  • Die Markthalle. Das Gebäude selber ist wunderschön, von außen wie von innen und das Gewusel macht einfach Spaß. Es gibt Unmengen an Salami, überall hängen Würste herum. Kaufen würde ich hier allerdings eher nicht, die Preise sind schon sehr touristisch. Und praktischerweise befindet sich im Untergeschoss des Marktes eine Aldi-Filiale. Schon irgendwie schräg, oder?

Diebstahl, Durchfall, Dracula – unser Start im Osten Europas

Osteuropa. Die “Ostblock”-Staaten. Gefährlich, dreckig und arm sind Adjektive, die scheinbar damit verbunden sind. Auf jeden Fall haben wir viele Warnungen gehört, als wir von unserer Reiseroute erzählt haben. Aber gelesen hatte ich auch viel Gutes. Von der Freundlichkeit der Menschen wurde geschwärmt und auch landschaftlich sollte sowohl Rumänien als auch Bulgarien sehr schön sein. Ich selber habe mit dem Osten noch gar keine Erfahrung. Über Ungarn wusste ich nichts, außer, dass der Balaton sehr beliebt ist und Rumänien verband ich mit Bären und Peter Maffay. Und ich war froh, ohne Homie unterwegs zu sein, denn ich ging davon aus, dass die Straßen in ziemlich schlechtem Zustand sind.

Diebstahl

Leider gehörte eine sehr unschöne Erfahrung mit zu den ersten, die wir im Osten Europas machten. In Budapest wurde uns ein Fahrrad geklaut. Es stand auf dem Fahrradträger angeschlossen auf dem Dach unseres Autos. Und das Auto stand auf dem kameraüberwachten Parkplatz hinter unserem Hostel. Zuerst standen wir direkt an der Straße vor dem Hostel. Weil uns das Parkticket an der Straße zu teuer war, parkten wir um und fühlten uns damit irgendwie auch sicherer. Doch wahrscheinlich wäre das Fahrrad an der Straße nicht gestohlen worden. Denn dort war viel Betrieb, während der Parkplatz ruhig war. Neben unserem Auto parkte ein Lieferwagen, deshalb wurde der Diebstahl selbst nicht mit der Kamera beobachtet. Wir konnten aber auf den Aufnahmen sehen, wie der Dieb mit dem Fahrrad von Joshua davonfuhr.

Die Polizei kam, es wurde alles aufgenommen, sogar die Spurensicherung kam später noch vorbei. Das fühlte sich alles gut an, dennoch war uns klar, dass wir das Rad natürlich nicht zurückbekommen würden. Joshua war so traurig. Diese Erfahrung hätten wir ihm gerne erspart. Er wollte, das alles getan wird, um den Dieb eventuell zu fassen. Also verschoben wir am nächsten Morgen unsere Abfahrt um ein paar Stunden, damit die Anzeige bei der Polizei noch aufgenommen und protokolliert werden konnte. So fuhren wir mit dem Gefühl ab, alles getan zu haben, was uns möglich war. Aber eben auch mit der Bestätigung, dass Osteuropa, und gerade Großstädte, gefährlich sind. Und ohne Fahrrad.

Auf dem Auto waren eigentlich zwei Fahrräder.
Wenn dieses Tor den Parkplatz auch tagsüber verschlossen hätte, wäre es wohl nicht zum Diebstahl gekommen.

Durchfall

Unsere Zeit in Rumänien begann in einem Freilernercamp. Darauf hatten wir uns sehr gefreut. Viele Familien kamen zusammen, um miteinander Gemeinschaft zu erleben. Wir wurden mit der Info begrüßt, dass ein Magen-Darm-Virus die Runde mache und sind trotzdem geblieben. Selber Schuld, könnte man also sagen. Denn unsere Tage im Camp blieben wir zwar noch verschont, aber in der Nacht, bevor wir loswollten, war klar, es hatte uns auch erwischt. Benji traf es zuerst, Richard und Joshua waren auch betroffen, und fast eine Woche später erwischte es dann auch noch mich. Es war gut, weiter zu fahren und Wohn- und Sanitärraume für uns alleine zu haben, aber die Woche hätten wir gerne gesund verbracht. Einige Pläne wurden verschoben, Anderes ließen wir ausfallen. Nicht schön, aber so haben wir einen Grund, nochmal wieder zu kommen und etwas mehr Zeit für Transsilvanien zu haben.

Dracula

Transsilvanien verbindet wohl jeder Mensch vor allem mit einem: Graf Dracula. Seinen Geburtsort haben wir nicht besucht, weil wir krank waren. Aber sein Schloss wollten wir uns nicht entgehen lassen. Schloss Bran, in der Nähe von Brasov, wird den Touristen seit Jahrzehnten als das Schloss verkauft, in dem Vlad III. Tepes, mit Beinamen Draculea, geherrscht haben soll. Dies ist allerdings gar nicht der Fall, dieses Schloss hat der Pfähler, wie er auch genannt wurde, wohl niemals betreten. Nachdem wir das gelesen hatten, erwägten wir, zu der echten Draculaburg in der Walachei zu fahren. Allerdings kam dieser Umweg durch die Berge, mit Serpentinen und schlechten Straßen, in unserem geschwächten Zustand dann doch nicht in Frage. Also doch Schloss Bran, wenigstens mal gucken. Und uns vielleicht im Park zu Füßen der Burg etwas gruseln.

Doch anstatt Dracula fanden wir Disneyland. Der Ort Bran ist mit Touristen und Ständen, die den Touristen jede Menge Kram verkaufen, vollgestopft. Schon auf der Fahrt standen wir kilometerlang im Stau, um überhaupt in den Ort zu kommen. Dort drängelten wir uns über den Rummel, der vor dem Park ist, um dann festzustellen, dass wir nicht mal in den Park zu Füßen der Burg hineinkommen. Bereits dafür ist der Eintritt ins Burgmuseum nötig. Das war es uns nicht wert und so warfen wir nur einen Blick durch den Zaun auf die Burg und machten uns dann schnell wieder vom Acker.

Camp mit Bonus, auf den wir gerne verzichtet hätten.
Näher kamen wir an Schloss Bran nicht heran.

Ansonsten waren wir in Rumänien aber positiv überrascht. Zum Beispiel vom Zustand der Straßen. Wir hatten keinerlei Schlaglöcher, die Straßen waren breit und gut befahrbar. Da hatten wir mit Schlimmerem gerechnet. In den Dörfern fiel mir aber auf, dass viele Nebenstraßen gar nicht asphaltiert sind. Und später entdeckten wir auch die Schlaglöcher und Unebenheiten, mit denen wir gerechnet hatten. Was wir aber auch sahen, und zwar schon von weitem, waren die Kirchen. Sie strahlen in den schönsten Farben und leuchten uns entgegen. Wirklich schön. Und die Landschaft wurde auch immer schöner, je näher wir den Bergen kamen. Der Blick auf die Karpaten gefällt uns sehr und auch die Berglandschaft selbst ist überwältigend. Bären haben wir zwar nicht in freier Wildbahn, aber dafür im Pool planschend im Bärenreservat Libearty gesehen. Die Menschen hier sind so freundlich. Ja, es liegt viel Müll herum und die Mülltrennung funktioniert auch überhaupt nicht, aber Rumänien ist dennoch viel schöner als wir erwartet haben.

Die drei Bären im Pool 😍
Landschaftlich gefällt uns Rumänien, vor allem Transsilvanien, sehr gut.

Sound of Silence – kein Lied des Monats

Der Juli war keineswegs still. Im Gegenteil, ich habe bestimmt mehr Musik gehört als in den Monaten davor. Aber nicht für mich. Momente, in denen ich allein für mich Musik gehört habe, gab es kaum bis gar nicht. Denn wenn wir unterwegs sind, laufen im Auto gerne Hörspiele oder Musikwünsche der Jungs über meinen Account. Während der Städtetrips ist es auch laut genug, da bin ich froh, wenn es einfach still ist. Auch sonst sind unsere Tage recht angefüllt mit Aktivitäten und ich komme einfach weniger zum Musikhören. Und so gibt es kein Lied des Monats Juli. Ich gebe dem Monat trotzdem ein Mottolied. Und zwar “Cover me in sunshine” von Pink. Es läuft viel bei uns im Auto, denn wir hören es alle vier gerne. Es macht gute Laune, und sunshine und good times sind definitiv Dinge, die wir uns für unsere Reise wünschen. And everything will be alright.

Covered in sunshine and showered with good times... Symbolbild (ist von Mai 22, aber passt so gut)

What’s next? Ausblick August

  • Walachei und Schwarzes Meer – wir haben noch ein paar Wochen Zeit um Rumänien zu erkunden.
  • Noch mehr Neuland – es geht nach Bulgarien.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

twelve − 8 =