Insgesamt 9 Monate waren wir in Portugal. Tja, und nun sind wir nach sechs Wochen Spanien bereits wieder in Deutschland. Also höchste Zeit euch „unser“ Portugal einmal vorzustellen. Und eine unbedingte Reiseempfehlung auszusprechen. Das lässt sich nicht in einem Beitrag zusammenfassen, deshalb findet ihr noch zwei weitere Artikel zu Portugal, die jeweils den Norden und unsere Lieblingsregion, den Alentejo zeigen.

Ganz im Süden schmiegt sich ein schmaler Streifen ans Meer. Die Algarve. Hier überwintern viele Reisefamilien, in Portugal ist dies die wärmste und trockenste Region im Winter und hier sind die beeindruckenden Felsformationen an den Stränden zu finden. Wir haben diesen Teil Portugals zuerst kennen gelernt, im Januar 2020. Und wir waren erstmal furchtbar enttäuscht. Auf der Suche nach unserem ersten Campingplatz sind wir kurz vor Faro, ca. 50 Kilometer nach der spanischen Grenze von der Autobahn abgefahren. Aber wohin wir auch blickten: Es war hässlich. Und wie weit wir auch fuhren, es wurde einfach nicht schöner. Wir fragten uns, wo denn bitte die Schönheit der Algarve zu finden sei, von der alle sprachen und so begeistert waren?! Hier jedenfalls nicht. Und so fuhren wir direkt einmal durch Portugal durch (das sind auch nur ca. 150 Kilometer) bis ganz in den Westen der Algarve, und hier endlich gefiel es uns. So gut, dass wir 6 Wochen blieben und im Dezember auch nochmal wiederkamen. Hier ist nicht alles zugebaut. Später erhielten wir auch immer wieder den Tipp/Hinweis (von Portugiesen), dass alles östlich von Lagos nicht mehr portugiesisch sei. Und die Algarve ganz im Osten und ganz im Westen am schönsten. Ganz im Osten haben wir sie nicht gesehen, aber die Schönheit des Westens können wir bestätigen. Im Grunde kann man einfach irgendeine Bucht anfahren und wird mit Sicherheit einen wunderschönen Strand vorfinden. Und auch das Hinterland ist schön. Aber ich fange mal am Anfang an.

Zuerst landeten wir also im Salema Eco Camp, einem Campingplatz, dessen Rezensionen sehr unterschiedlich waren. Besonders die Berichte über die extrem steile Zufahrt machten mir Angst und ich war beruhigt, als ich den Tipp las, darum zu bitten, den Notausgang benutzen zu dürfen. Das taten wir und damit sind wir sehr gut beraten gewesen. Denn der ganze Platz zieht sich über einen Hügel und hat viele sehr steile Wege, mit denen unsere Auto-Wohnwagen-Kombi wohl durchaus Probleme gehabt hätte. Sonst aber gefiel uns der Platz außerordentlich gut. Ein Campingplatz, der ganz ohne Parzellen auskommt, Beleuchtung und Warmwasser werden mit Solarenergie betrieben, es wird auf Plastikflaschen und Verpackungen verzichtet und im kleinen Laden bekommt man vor allem regionale und nachhaltige Produkte. Hier campen auch nicht die klassischen Snow Birds, die Rentner, die zum Überwintern ins Warme ziehen, sondern viel alternativ denkende oder reisende Menschen aller Altersgruppen. Wir hatten so viel Raum wie auf keinem anderen Campingplatz und haben uns ganz schön ausgebreitet. Als sich nach ein paar Wochen noch zwei Familien zu uns gesellten, die wir aus Spanien kannten, bildeten wir ein kleines Campingdorf und trafen uns gerne abends an der mittig eingerichteten Feuerstelle.
Der Strand Praia da Salema ist zu Fuß zu erreichen, allerdings ist der Weg schon anstrengend, weil einige Höhenmeter überwunden werden. Den Jungs war der Weg oft zu anstrengend, den Strand aber fanden sie toll. Und die Dinosaurierfußspuren auf den Felsen am Strand waren natürlich auch ein Highlight.

Eine Viertelstunde Autofahrt entfernt liegt Sagres, eine kleine, nicht besonders hübsche Stadt am Ende der Welt. Hier waren wir gerne im Skatepark, Joshua ist hier das erste Mal in der Half Pipe gefahren. Wir waren in der Fortaleza de Sagres, einer Burganlage mit riesengroßer Windrose und der Voz de Mar (Stimme des Meeres), einem Rundbau, der das Meeresrauschen verstärkt. Nochmal knapp 10 Minuten weiter westlich sind wir dann wirklich am Ende der (alten) Welt angekommen. In der Hauptsaison gibt es hier die letzte Bratwurst vor Amerika und jeden Abend ganzjährig einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Lagos ist eine kleine Hafenstadt mit ca. 30.000 Einwohnern, die von spektakulären Stränden und Aussichtspunkten umgeben ist. Eine beeindruckende Stadtmauer umgibt die Altstadt, in der es sich sehr schön bummeln lässt. Hier habe ich Eduardo gefunden, den Inhaber eines Barber Shops, der mir die Haare so kurz schneiden durfte wie nie und dem daraufhin auch Richard seinen Kopf anvertraute. Wir waren auch am Ponte da Piedade, einem Aussichtspunkt südlich von Lagos und im Dezember auch an zwei Stadtstränden von Lagos. Wir waren essen mit Blick auf den Hafen und haben den Jungs neue Skateboards gekauft. Hier könnte ich mir vorstellen, zu wohnen, allerdings habe ich die Stadt nur in der Nebensaison erlebt.

Auch wenn die Region zwischen Lagos und Tavira sehr touristisch und auch zugebaut ist, gibt es trotzdem wunderschöne Ecken zu entdecken. Bei Alvor zum Beispiel gibt es einen langen Sandstrand, wenn man allerdings an den Felsen, die ihn begrenzen vorbei geht oder sich durch kleine Tunnel traut, eröffnen sich immer neue Buchten, die man, in der Nebensaison ganz für sich alleine haben kann. Der Praia dos Tres Irmaos wurde zu meinem Lieblingsstrand in der Algarve. Wunderschön sind auch die Höhlen und Felsformationen von Algar Seco, in der Nähe von Carvoeiro

Im Hinterland der Algarve haben wir zu Beginn des Jahres nur Silves kennen gelernt. Silves war früher mal die Hauptstadt der Algarve, hier steht der ehemalige Herrschersitz der Mauren, eine gewaltige Burg aus rotem Sandstein, die über der Stadt thront. Später im Dezember haben wir dann bei einigen Wanderungen noch mehr von der Landschaft gesehen. Zu Beispiel waren wir auf dem Monte Foia bei Monchique, allerdings leider im Nebel. Aber ein andermal haben wir dann bei strahlendem Sonnenschein freien Blick auf den Berg gehabt und konnten uns vorstellen, dass die Sicht von dort oben sicher atemberaubend ist.

Nach Faro sind wir auch gefahren, sogar dreimal. Wir wollten so gerne die Knochenkapelle dort besuchen, sind aber jedes Mal gescheitert. Der erste Versuch war an einem Sonntag, da die Knochenkapelle aber zu einer Kirche gehört, war diese am Sonntag geschlossen. Ja, das hätten wir wissen können. Eine Fahrt durch den Naturpark Ria Formosa wäre eine schöne Alternative gewesen, allerdings musste zuerst der Hunger gestillt werden und anschließend war es für die Fahrt schon zu spät. Naja, die Pizza war auf jeden Fall gut. Eine Stunde Fahrt war dafür zwar eine lange Anreise, aber auf einem Flohmarkt fanden die Jungs dann noch Schätze und so war der Ausflug für uns nicht völlig umsonst.
Der zweite Versuch war dann ein Samstag, da wir diesmal vorher recherchiert hatten, waren wir sicher, dass die Kapelle geöffnet wäre. Aber Pustekuchen, in der Kirche fand eine Veranstaltung statt, was genau, war unklar, aber die Kapelle haben wir auch diesmal nicht zu sehen bekommen. Mist! Wir brauchten glücklicherweise gerade neue Klamotten und Faro hat eine große Shopping Mall, so waren wir auch diesmal nicht vergebens gefahren.
Beim dritten Versuch nun wollten wir sicher gehen und fuhren an einem Mittwoch nach Faro. Doch es sollte wohl einfach nicht sein, denn als wir auf den Kirchvorplatz kamen, sahen wir bereits jede Menge dunkel gekleidete Menschen und begriffen schnell, dass es auch diesmal nichts werden würde. In der Kirche fand eine Trauerfeier statt und so beschlossen wir, die Knochenkapelle von unserer Liste der Sehenswürdigkeiten zu streichen.

Zur Faschingszeit findet in Loulé ein großer Umzug statt, den wir uns gerne angeschaut haben. Er stand im Jahr 2020 unter dem Motto Louléwood und wir genossen es, die prachtvollen Wagen und Verkleidungen bei strahlendem Sonnenschein bestaunen zu können.

Fazit: Die Algarve ist definitiv eine Reise wert. Und da die Entfernungen nicht so groß sind, sind Tagesausflüge gut machbar.

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