Schneller als erwartet zogen wir innerhalb der USA bereits wieder um, von Texas nach Florida. Dieses Mal wurde aber kein Umzugsunternehmen beauftragt, wir wollten den Umzug alleine schaffen. Knapp 1200 Meilen, also fast 2000 Kilometer Straße lagen vor uns. Schon eine Herausforderung, mit zwei Kindern sowieso. Dazu kam noch, dass Richard den Umzugswagen und ich mit den Kindern in unserem Auto fahren würde – also, ein bisschen Bammel hatte ich vor der Fahrt schon. Wir hatten hin- und her überlegt, ob wir bereits im Voraus festlegen sollten, wie weit wir jeweils fahren und wo wir übernachten, haben dann aber nur den ersten Tag geplant und während der Fahrt je nach Stimmung und Müdigkeit entschieden, wann und wo Pause gemacht wird. 4 Tage hatten wir für die Fahrt eingeplant, damit es nicht zu stressig wird. 5 Tage sind es am Ende geworden, weil wir einen Tag Pause brauchten.

Wir hatten früh angefangen zu packen, waren auch sehr gut zurecht gekommen, es war nur noch übrig, was wir bis zuletzt brauchten. Wir hatten auch einen guten Plan: Morgens kommt eine Freundin mit ihren Kindern, um unsere zu bespaßen, während Richard und ich die Kisten packen. Mittags sollten noch zwei Freunde vorbeikommen und beim Einladen helfen und praktischerweise hatten wir in der letzten Woche noch einen Gast aus Deutschland, der zur Konferenz in Austin war und mit anpacken konnte. Aber wie so oft im Leben kommt es anders, als man denkt. Die beiden Freunde hatten Freitag leider doch keine Zeit, wollten aber gerne schon Donnerstag Abend helfen. Da wir aber noch eine Nacht in diesem Haus schlafen mussten, konnten sie nur die restlichen Möbel und Kartons in die Garage räumen. Wir haben uns hinterher schon sehr geärgert, dass wir den LKW nicht schon Donnerstag geholt haben, es hätte uns viel Arbeit erspart.

Denn nun war es soweit, alles musste raus! Meine Freundin kam, die Kinderbetreuung klappte also schon einmal. Allerdings packte ich ziemlich alleine, denn Richard und Christian (unser Gast) beluden in der Zeit den LKW. Einige Dinge wie Spielsachen und Kleinigkeiten, die wir in den ersten Tagen in Florida brauchen würden, sollten in unser Auto geladen werden. Durch die Packerei, die irgendwie doch noch länger dauerte als gedacht, hatte ich allerdings keine Übersicht darüber, was schon verladen war und ob die richtigen Kisten fürs Auto auch noch im Haus waren. Naja, unsere Kinder müssen jetzt eben mit dem zufrieden sein, was hier ist und freuen sich umso mehr darauf, wenn wir endlich unseren Kram wieder auspacken können.

Ich hatte auch tolle Ideen, wie ich die Kinder während der Fahrt mit Snacks versorgen könnte, aber auch dies Vorhaben scheiterte am Chaos des letzten Tages. Was wir aber hatten, war ein Stapel Filme und Serien, in unserem Auto befindet sich nämlich ein DVD Player. Ohne den wäre die Fahrt auch bedeutend anstrengender gewesen, auch wenn mein schlechtes Gewissen mich z.T. jetzt noch beißt, weil die Kinder an diesen Tagen soviel fernsehen durften.

Bis zuletzt glaubte ich nicht daran, dass wirklich alles in den LKW passen würde, da Richard, um die Kartons zu schonen, diese anfangs nicht so hoch aufeinander stapelte. Für die Kartons (und deren Inhalt) war das auch wirklich besser, leider wurde es am Ende dann aber tatsächlich eng und schließlich mussten wir unsere Pflanzen in Austin lassen. Unser Auto war nun also auch voll bepackt bis obenhin, Joshua musste auch unbedingt noch einen mit Gas gefüllten Luftballon mitnehmen, der seit Wochen (!) bei uns in Austin an der Decke geklebt hatte und einfach nicht an Gas verlieren wollte. Und pünktlich zur Hausübergabe waren wir mit allem fertig und machten uns auf den Weg – aber nur ein paar Straßen weiter zu Freunden, bei denen wir die Nacht verbringen würden, um ausgeruht unseren Roadtrip starten zu können.

Hier die Highlights der Fahrt:

Tag 1  Austin, TX – Port Arthur, TX, 270 mi/430 km
Joshua verliert seinen zweiten Milchzahn, leider wissen wir nicht wo, wann und wie genau, festgestellt haben wir dies bei McDonalds, als er herzhaft in seinen Burger biss
Fulshear, Besuch bei Richards Onkel und Tante mit schmerzhaften Folgen für die Kinder – Feuerameisen
Das Hotel entpuppt sich als der totale Flop, dreckige Nichtraucherzimmer, die nach Aschenbecher riechen, Essensreste in der Mikrowelle im Zimmer und der Pool ist nicht beheizt

Tag 2  Port Arthur, TX – Pensacola, FL, 440 mi/710 km
Von Texas bis Florida an einem Tag, mit Durchquerung von Lousiana, Mississippi und Alabama
Start bei Sonnenaufgang, Ankunft nach Sonnuntergang
Entdeckung des Tages: Mit dem Iced Mocha von McDonalds haben wir endlich einen Kaffee gefunden, den man trinken kann

Tag 3  Pensacola
Strand- und Pooltag, die Pause hatten wir aber auch nötig.

Tag 4  Pensacola, FL – Gainesville, FL, 350 mi/560 km
ich kann die Scooby-Doo Folge vom Schneemonster teilweise schon mitsprechen

Tag 5  Gainesville, FL – St. Petersburg, FL, 150 mi/250 km
Yes! Nur 2 Stunden fahren!
Ankunft auf Treasure Island abends mit beheiztem Pool und 3 Tagen Urlaub vor uns!

Das Ausladen in St. Petersburg war nochmal ziemlich kräftezehrend, aber dann war es geschafft: Unsere Sachen haben für die nächste Zeit ein Zuhause im Storage und wir ziehen nomadengleich an der Westküste herum, um den besten Ort für unsere Homebase zu finden. Der Luftballon hat die Fahrt übrigens unbeschadet überstanden, auch wenn er mir einige Male im Sichtfeld herumflog und Joshua ihn an die kurze Leine nehmen musste. In Florida dauerte es noch weitere zwei Wochen, bis er endgültig nicht mehr zu gebrauchen war. ($1 im Dollar Store)

Fazit:
Ein Umzug quer durch den Süden der USA mit Kindern ist machbar, aber sehr anstrengend.
Für Pausen lohnt es sich, von der Autobahn abzufahren, da in den Städten die tollen Spielplätze zu finden sind.
Walkie-Talkies eignen sich hervorragend zur Verständigung beider Fahrer.
Hotelbildern ist nicht zu trauen.

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