Wir sind langsamer geworden im November, nicht mehr im Reisemodus unterwegs. Auf Sardinien wollen wir etwas länger bleiben. Wir wechseln in Inselzeit. Der Begriff Inselzeit (aus dem Südpazifik) steht dafür, das Leben entspannt und ohne Eile anzugehen. Die Prioritäten zu verschieben. Weg von Aufgaben, Stundenplänen und vorgegebenen Uhrzeiten, um im Moment präsent zu sein.

Das haben wir im November also gemacht. Und doch war uns nicht langweilig. Denn es gab eine Menge Momente, in denen wir präsent sein wollten. Mit alten und neuen Freunden, an neuen Orten.

Neue Orte – Sardiniens Osten

Auf Sardinien waren wir zwar schon, aber bisher nur im Norden. Nun sind wir an der Ostküste, im südlichen Teil der Insel. Hier sind die Berge am höchsten und die Strände am schönsten. Viel davon gesehen haben wir allerdings noch nicht.

Mit der Fähre kamen wir in Cagliari, im Süden, an. Dort haben wir einen Spaziergang durch die Altstadt gemacht. Auf meiner To-Want-Liste standen auch die Flamingos von Cagliari. Hier gibt es ein paar Seen, in denen richtig viele Flamingos zu sehen sind. Wir haben einen Ausflug zu einem dieser Seen gemacht, allerdings war die Flamingoausbeute eher mager. Nur knapp 30 Tiere waren in weiter Ferne zu entdecken, ein einzelner Flamingo stakste in der Nähe im Wasser herum. Aber die große Masse war nicht zu finden. Später hab ich sie dann aber doch noch entdeckt. Leider nur aus dem Auto heraus im Vorbeifahren. Ich hab mir vorgenommen, noch einmal wieder zu kommen. Mal sehen, ob ich das bei diesem Sardinien-Aufenthalt noch schaffe.

Und nun sind wir hier in der Ogliastra, so heißt der Bereich Sardiniens, und damit im Wanderparadies. Schönste Strände sind hier selbstverständlich auch zu finden. Der November war aber so voll mit Gemeinschaftsaktionen, dass keine Zeit blieb zur Naturerkundung. Da haben wir also noch was vor im Dezember.

Schön hier, unser Novemberstrand.
Hübscher Himmel über den Bergen.
La Spiaggetta

Immer was los – Community ist großartig

Warum wir es nicht geschafft haben, hier die Natur zu erkunden? Weil so viel Action war. Wir haben erstmal einige Menschen kennen gelernt, die hier leben oder überwintern. Und wir haben uns riesig gefreut, dass wir eine Familie wieder getroffen haben, die wir letztes Jahr hier auf Sardinien kennen gelernt haben. Das ganze Jahr über ist es uns nicht gelungen, uns zu treffen, und nun sind wir zufällig (?) gleichzeitig auf der Insel.

Marlene ist Zirkuspädagogin und bietet, wenn sie in Gemeinschaften ist, gerne Zirkusworkshops für Kinder an. Das hat sie auch hier getan. Es wurde fleißig ausprobiert und geprobt und am Ende gab es eine große Zirkusaufführung. Die Jungs haben beide Diabolo gespielt und so schnell coole Tricks gelernt. Außerdem konnten sie ihre Akrobatik Kenntnisse nutzen. Handstand, Radschlag, bis hin zu Backflip war einiges dabei. Auch Menschenpyramiden wurden gebaut. Es war wirklich toll, was in relativ kurzer Zeit bühnenreif erlernt wurde.

Es gibt hier eine Vernetzungsgruppe. Und einmal wöchentlich wird ein “Dorftreffen” organisiert. Am Strand, unter der magischen Pinie, wird gemeinsam gespielt, gegessen, gebadet und vieles mehr. Der Austausch tut gut. Und so ein Treffen zieht sich dann schon mal über den gesamten Tag, eh man sich versieht, geht die Sonne schon fast wieder unter. Auf Anregung von Benji wurde ein Gymnastikball als Minitrampolin im Sand eingegraben. Das war schon fast wie bei indomove, als auf dem Ball die tollkühnsten Sprünge absolviert wurden.

Dreimal hatten wir in unserem Häuschen einen Übernachtungsgast. Die Jungs haben sich viel mit anderen Kindern zum Spielen, Zocken oder auch Oliven ernten getroffen. Einmal haben sie sogar selber hier zuhause Olivenöl gepresst. Tja, und so verging der November, ohne dass wir größere Ausflüge unternommen haben.

Ok, es spielt sicherlich auch eine Rolle, dass unser Auto leider wieder einmal in die Werkstatt musste. Mit ominösen Geräuschen unter der Motorhaube fährt es sich unsicherer.

Und eine Woche lang hatten wir gar kein Auto zur Verfügung, da Richard damit in Deutschland unterwegs war. Diese Tage haben die Jungs und ich genutzt, um zu Hause zu entspannen. Und dann sind wir mit den Fahrrädern, die hier zum Haus gehören, zum Strand gefahren und haben davon profitiert, dass Menschen aus der Gemeinschaft in unserer Nähe wohnen und uns mitnehmen konnten.

Dorftreffen unter der magischen Pinie.
große Zirkusshow mit über 30 Artisten
Benji ist happy. Fast wie bei indomove.
Neues wird gelernt. Hier Diabolo Tricks.

Da waren’s nur noch wir – Geburtstag mit Hindernissen

Leider gehören zum Reiseleben auch Abschiede dazu. Immer wieder reisen wir oder eben andere Familien weiter und Gemeinschaften lösen sich auf. Diesen Monat fiel der Abschied von unseren Freunden genau mit meinem Geburtstag zusammen. Drei Tage vorher gab es noch eine große Abschiedssause auf dem Stellplatz am Meer und dann wurde es still.

Da musste ich dann doch schlucken. Es war einfach so schön gewesen. Und von sieben Familien, mit denen wir eng verbunden den November verbracht haben, war nur noch eine hier. Dazu war unser Auto kaputt. Es war klar, dass es in die Werkstatt muss, und ich hatte doch eigentlich einen Tagesausflug für meinen Geburtstag geplant.

Also Planänderung. Ich war etwas unschlüssig, habe dann aber einfach die Situation angenommen, wie sie war, die Familie, die noch hier war, zum Essen eingeladen und sonst einfach alles auf mich zukommen lassen. Und ich wurde überrascht.

Mein Geburtstag fing schon mit einem Geschenk an: Sonnenschein. Die beiden Tage vorher war es bedeckt und sogar regnerisch, aber ich wurde mit blauem Himmel und Sonnenschein beschenkt. Wir frühstückten lecker und gemütlich mit selbst gebackenen Brötchen und machten uns dann auf dem Weg zum Dorftreffen.

Hier wartete die nächste Überraschung. Es waren so viele Familien hier, dass es beinah unübersichtlich wurde. Und ich hatte mir Sorgen gemacht, dass es eher einsamer werden würde, weil ja so viele Familien abgereist waren. Ja, es waren nicht die Menschen, mit denen wir am engsten verbunden waren, aber es war richtig was los. Und wir hatten einen ganz wunderbaren Nachmittag am Strand.

Das Meer hatte sich beruhigt, nach einem Sturm in der letzten Woche lag es nun beinah spiegelglatt vor mir. Es war zwar etwas frisch, um nicht zu sagen, kalt, aber natürlich war ich trotzdem im Wasser. Seit wir unterwegs sind, freue ich mich jedes Jahr, in dem ich an meinem Geburtstag Ende November im Meer baden kann.

Später haben wir nochmal die Pläne geändert, und sind Pizza essen gegangen, anstatt zu hause zu kochen. Ich habe den ganzen Tag gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd und ging ganz beseelt von soviel Herrlichkeit abends ins Bett. Das I-Tüpfelchen auf dem Tag wäre es noch gewesen, meine Eltern in der Nähe zu haben. Vielleicht schaffen wir das nächstes Jahr, denn dann muss auch meine Mutter nicht mehr arbeiten. Yay!

Geburtstagstisch mit frisch gepflückten Blumen.
Und abends meine ganz persönliche Feuerfontäne - mit Vollmond.
Birthday girl im Meer.
Happy me!

Mein Lied des Monats

Ich bin dafür, den November als dunklen Monat auszuhalten, bevor der Weihnachtstrubel und das Leuchten beginnt. Und doch bin ich schon eingetaucht in Adventsmusik. Könnte damit zusammenhängen, dass ich an Adventskalendern gearbeitet habe. Und so stehen auf meiner Liste der Lieder, die ich gehört habe, zum Beispiel “Ich steh an deiner Krippen hier” und “O, come all ye faithful”. Weihnachtslieder sind für mich definitiv nicht Hits von Wham, Mariah Carey und Co. sondern Lieder, in denen es tatsächlich um Weihnachten geht. Denn: Jesus is the reason for the season.

Und nu? Das kommt im Dezember auf mich zu

  • Jahresrückblog – Ich schreibe meinen Jahresrückblick, gemeinsam mit gaaaanz vielen Bloggerinnen in der Blogchallenge von Judith Peters
  • Adventszauber – Wichtelei, Plätzchen backen, Märchen gucken – wir machen es uns gemütlich
  • Weihnachten – ohne Präsenz-Gottesdienst, ohne Familienbesuch, nur wir vier.
  • Rauhnächte – mein persönliches Reflektieren, Sammeln und Neuausrichten zwischen den Jahren

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